9 Gründe, warum ich selbst bei meiner ersten Geburt gerne eine Doula gehabt hätte

Im Nachhinein ist man ja immer schlauer.

Ich hatte bereits in der Schwangerschaft mit meiner Tochter von Doulas und deren Arbeit gehört. Aber unsere finanzielle Situation damals war angespannt und es musste ohnehin soviel für den kleinen neuen Mitbewohner angeschafft werden. Irgendwie war mir gleich klar, dass so eine Doula eine tolle Sache für mich wäre, aber es schien mir bei all dem, was es gerade zu stemmen gab, auch wieder nicht so wichtig zu sein.

Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, ich hätte dieses Geld in eine Doula investiert. Ich hatte zwar insgesamt eine tolle, stärkende Geburt und insgesamt tolle Hebammen in einem sehr gut geführten und auf die natürliche Geburt fokussierten Kreißsaal. Trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen doch eine Doula gewünscht.

Im Folgenden erkläre ich meine 9 Gründe, warum ich gerne eine Doula gehabt hätte (und mich bei der zweiten Geburt in jedem Fall eine liebe Kollegin begleiten wird). Natürlich ist das sehr persönlich, und für niemand anderen so anwendbar. Aber ich finde, dass es praktischer als jede Erklärung zeigt, warum eine Doula eben Sinn machen kann. Auch wenn es eine gute Hebammenbetreuung gibt. Und auch wenn die Geburt insgesamt recht komplikationslos verläuft.

#1: Die Toilettengänge

Es mag ja gar nicht wichtig klingen. Aber ich musste während meiner Wehen sehr oft auf Toilette. Mein Partner und ich wahren da normalerweise eine gewisse Distanz. Da ich aber irgendwann wenn eine Wehe kam sofort etwas zum Festhalten brauchte, das Badezimmer des Kreißsaals wahnsinnig groß war und er meine einzige Begleitperson, musste er irgendwann mit zur Toilette kommen. Es heißt immer, sowas würde in den Wehen keine Rolle mehr spielen. Ich fand, dass es mich irgendwie hemmt. Ich kam mir ein bisschen entwürdigt vor, dass ausgerechnet mein Partner mit aufs Klo kommen und mir auch noch von der Schüssel herunter helfen musste.

Eine Doula hätte ich glaube ich eher mitgenommen und mich dabei okay gefühlt. Ich hätte auch eine der Hebammen mitgenommen, aber die hatten dafür leider keine Zeit.

#2: Der Beginn der Wehen

Ich war eine von diesen Erstgebärenden, die wahnsinnige Angst hatten, sie könnten nicht merken, dass es jetzt „losgeht“ und dann plötzlich im Auto ihr Kind kriegen. Ich hatte außerdem schon ab ET (meine Tochter kam aber erst 10 Tage später) immer wieder über Stunden regelmäßige stärkere Wehen, die aber noch nicht muttermundswirksam waren. Ich bin zweimal mit Fehlalarm in die Klinik gefahren. Beim zweiten Mal habe ich von einer leider weniger netten Hebamme zu hören bekommen, ich solle erst wiederkommen, wenn ich mich fühlte wie ein Notfall, der ohne Schmerzmittel nicht mehr klarkäme.

Mich hat diese Ansage wahnsinnig demotiviert und nur weiter verunsichert. Ich hatte mich vorher soviel mit der natürlichen, sanften Geburt beschäftigt und sah gar nicht ein, dass ich mich überhaupt irgendwann während meiner Geburt nach „Notfall“ fühlen sollte. Ich wollte meine Geburt unbedingt ohne Schmerzmittel erleben. Ich glaube, dass dieser Hebammen-Ansage und der Hektik der letzten Schwangerschaftswoche letztlich geschuldet war, dass meine Tochter sich ohne Einleitung gar nicht auf den Weg machen wollte.

Zuhause war ich umgeben von meinem Partner und meinem Bruder. Beides mir sehr wohlgesonnene, sehr nahestehende Menschen, die deswegen meine Ängste leider offensichtlich teilten. Beides noch kinderlose Männer, die zu Geburt zu dem Zeitpunkt nur wenig Zugang besaßen. Meine Mama hatte zwei lange, traumatische, hochgradig intervenierte Krankenhausgeburten erlebt, war in dieser Hinsicht also auch nicht gerade bestärkend. Von meinen Freundinnen war ich die erste, die ein Kind bekam. Kurz: Ich hätte eine Frau mit vollem Vertrauen in meine Kraft zu gebären, eine Frau die eine erfahrene Ruhe ausstrahlt und mich bestärkt, dass ich das Ganze gut schaffen kann, in diesen Stunden der ersten Wehen sehr gut brauchen können. Denn ich denke, dass ich schon früher bereit für die Geburt war. Aber die hektische Umgebung hat die Wehen immer wieder abgeschwächt und letztlich ganz verschwinden lassen. Ich hätte eine Doula in diesen Stunden dringend gebraucht!

#3: Mein Flüssigkeitshaushalt

Mein Partner war während meiner Geburt wirklich ein Fels in der Brandung für mich. Er hat bestmöglich versucht, an alles zu denken, was mir irgendwie helfen könnte. Aber: Er wurde in dieser Nacht selber Papa und war dementsprechend selber im Ausnahmezustand.

Ich glaube wir beide haben darüber vergessen, dass ich weiter ausreichend trinken musste. Die Hebamme ermahnte mich ab und an dazu, doch nach einem Schluck war es dann wieder vorbei damit. Mir war schon früh im Geburtsverlauf gar nicht mehr nach irgendeiner Form der Nahrungsaufnahme und so geriet auch das Trinken für mich völlig in Vergessenheit. Kurz vor der Übergangsphase, gerade dann als ich meine Kraft dringend brauchte, habe ich dann ziemlich schlapp gemacht. Da viel auf einmal trinken gar nicht mehr ging, bekam ich eine Infusion. Das hat zwar gut und schnell geholfen, hätte aber bestimmt vermieden werden können. Ich denke, einer aufmerksamen Doula wäre bestimmt aufgefallen, dass ich einfach nicht genug trank und sie hätte mich regelmäßiger daran erinnert.

#4: Ein bekanntes Gesicht

Es ist ja ein vielzitiertes Argument für Doulas, aber ich hätte mir das wirklich gewünscht: Eine Geburtsbegleiterin, die die ganze Zeit bei mir bleibt. Nun war meine Geburt eher kurz und ich habe nur zwei Schichtwechsel zwischen Einleitung und Nachgeburt erlebt. Während der Wehen hatte ich kontinuierlich die gleiche Hebamme, erst kurz vor der Austreibungsphase wechselte sie mit einer Kollegin. Alle Hebammen, die am Tag meiner Geburt da waren, waren supernett und sehr mütterlich. Aber trotzdem hätte ich mich geborgener gefühlt, wenn eine dieser Frauen um mich herum von Anfang bis Ende die Gleiche gewesen wäre.

#5: Die Sache mit der Erinnerung

Ich wollte unbedingt die Gebärwanne versuchen. Ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass mein nächstes Kind zwingend im Wasser zur Welt kommen wird.

Meine alternative Vorstellung, denn das erwählte Krankenhaus hatte nur einen Kreißsaal mit Wanne und dessen Belegung war nicht sicher, war die, auf dem Boden zu gebären. Ich habe einen besonderen Bezug zum Boden. Wenn nicht Wasser, dann Boden, egal was die Hebamme sagt. Mit diesem Wunsch ging ich in meine Geburt.

Der Gebärwannen-Kreißsaal war leider wirklich schon besetzt. Ich bewegte mich also durch meinen Kreißsaal, wippelte auf dem Gymnastikball hin und her, lief auf und ab, tat eigentlich alles Mögliche, vermied dabei aber das Bett. Ich wollte nicht aufs Bett. Irgendwie erschien mir das kontraproduktiv. Daneben sieht so ein modernes Gebärbett ja irgendwie auch sehr technisch aus. Das kabellose CTG um den Bauch war mir schon Technik genug. Das Bett blieb außen vor.

Dann kamen die Presswehen. Und ganz automatisch landete ich mit Führung meiner Hebamme irgendwie in diesem Bett. Zwar versuchte die Hebamme, sich mit mir auf eine nicht-liegende Geburtsposition zu einigen und stellte das Hochtechnologie-Bett auch so ein, wie es für mich am besten war. Aber ab dem Zeitpunkt, wo ich das Bett betrat, fühlte ich mich irgendwie unsicher. Ich hatte Angst herunterzufallen und die Polsterung, wenn auch nicht sehr weich, brachte mein Gleichgewicht durcheinander. Ich hätte mich auf dem Boden hundertmal sicherer gefühlt. Aber ich war jetzt so bei mir und dem Moment, dass so ein kohärentes Denken gar nicht mehr möglich war. Eine Doula hätte durch die intensiven Vorgespräche gewusst, wie wichtig mir der Bezug zu Wasser oder Boden war und sie hätte mich sicherlich gefragt, ob ich das jetzt nicht doch ausprobieren möchte.

#6: Die schwierigen Momente

Natürlich muss nicht jede Geburt sie haben. Leider haben viele Krankenhausgeburten sie: Momente, die als werdende Mama nur schwer zu ertragen sind. Besonders schwierig ist es, wenn man in solchen Momenten auch den Partner aus unterschiedlichen Gründen nicht an seiner Seite hat.

Mir ging es leider so. Meine Tochter kam mit nicht-idealen Apgar-Werten auf die Welt und hatte durch schon länger anhaltende schlechte Herztöne zu wenig Muskeltonus, als sie endlich draußen war. Nach der letzten Presswehe wurde die vorher sehr ruhige Hebamme plötzlich etwas nervös. Sie nabelte die Kleine sofort ab; als ich sie darauf hinwies, dass ich die Nabelschnur auspulsieren lassen wollte, sagte sie, dass dies leider nicht möglich sei, weil die Kleine etwas schlapp sei. Heute weiß ich, dass es in solchen Fällen sinnvoll ist, das Kind auf dem Bauch der Mutter zu behandeln, da sich der Herzschlag dort am schnellsten erholt. Damals wusste ich das nicht. Ich sah stumm mit an, wie Hebamme und Arzt mein Kind, noch bevor ich es selber das erste Mal berührt oder wirklich gesehen hatte, auf einen Tisch in einer Ecke des Kreißsaals brachten, in Tücher wickelten, absaugten und rubbelten. Meinen Partner nahmen sie mit, damit er ihr während der Prozedur Händchen halten und mit ihr reden konnte. Natürlich war es wichtiger, dass eine vertraute Stimme jetzt bei meiner Tochter war. Aber ich war plötzlich ganz allein und diese wenigen Minuten, die ich auf mein Baby wartete, kamen mir vor wie schreckliche Stunden. Ich glaube es ist der Moment meiner ganzen Geburtsreise, in dem ich am allermeisten eine Doula hätte brauchen können. Jemand, der an meiner Seite bleibt und mir einfach nur sagt, dass alles gut sein wird.

#7: Die irrationalen Ängste

Ich hatte meine Geburt sehr gut geschafft. Ich fühlte mich total stark.

Als meine Tochter dann bei mir war, war ich echt megahappy. Wolke 7. Alles super.

Die Nachgeburt kam schnell und ohne Probleme. Die Blutung wurde schnell weniger. Man sollte denken, mich hätte in dem Moment nichts mehr erschüttern können.

Dann kontrollierte die Hebamme, ob ich Geburtsverletzungen hatte. Ein kleiner Scheidenriss, nichts Schlimmes, ein bis zwei Stiche würden ausreichen.

Irgendwie beschlich mich da ein bisschen die Angst. Die wollten nähen? In meiner Vagina?! Unvorstellbar! Ich hatte gerade ein Kind bekommen, aber vor diesen Paar Nadelstichen hatte ich plötzlich ganz schön Respekt. Klar habe ich das gut überstanden und es war auch nur ein bisschen unangenehm. Im Nachhinein finde ich es irgendwie auch amüsant, dass mir die Nadel so Sorgen bereitete, obwohl ich gerade ein Kind aus mir heraus gepresst hatte. Aber worum es mir geht, ist dass wir Frauen während der Geburt mit ganz schön vielen Hormonen und Gefühlen zu tun haben. Ich glaube, irrationale Ängste sind da nicht verwunderlich. Gut, wenn man dann jemanden an seiner Seite hat, der weiß was gerade passiert, einem alles nochmal in Ruhe erklärt und vielleicht ein klitzekleines bisschen Händchen hält.

#8: Unerwartete Wünsche

Ich hatte mir vor meiner Geburt über sehr viele Sachen Gedanken gemacht. Wir waren eines dieser Paare, die mit mehreren Taschen vor der Kreißsaaltüre standen, weil wir für jede erdenkliche Situation etwas dabei haben wollten (übrigens nicht so eine gute Idee, und wir haben auch kaum etwas davon überhaupt benutzt, aber darauf werde ich vielleicht in einem zukünftigen Blogpost einmal eingehen…).

Allerdings war der Zeitraum nach der Geburt für mich irgendwie ziemlich in Schleier gehüllt. Baby angucken, kuscheln, schlafen. Über das, was da sonst noch so passiert, hatte ich mir kaum Gedanken gemacht.

Wir hatten so ein Set dabei um uns Plazenta-Globulis machen zu lassen. Ansonsten war die Plazenta für mich ein gesichtsloses Gebilde, um dessen weitere Verwendung ich mir keine Sorgen machte. Als ich nach einer Weile im Kreißsaal mit meiner Tochter auf der Brust das Mutter-Werden fürs Erste verdaut hatte, fiel mir dann aber als Erstes die Plazenta ein! Ich wollte sie gerne sehen. Leider war sie da schon verschwunden und ich habe sie nie zu Gesicht bekommen.

Ich wusste damals gar nicht, was man alles mit einer Plazenta machen kann. Mir war nicht bewusst, was für eine Bedeutung sie hat. Ich hätte zum Beispiel sehr gerne Plazenta-Abdrücke gehabt, aber ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Ich war mir nicht bewusst, dass ich dieses mich und meine Tochter verbindende Organ gerne gesehen und mich davon verabschiedet hätte. Eine Doula bespricht in der Geburtsvorbereitung viele Dinge mit einer Schwangeren, die Plazenta und was man damit alles machen kann, gehört dazu. So hätte ich vielleicht vorher schon gewusst, dass meine Plazenta nicht einfach hätte entsorgt werden sollen.

#9: Das Stillen

Ich war sehr unsicher bezüglich des Stillens. Ich hatte bereits beim Aufnahmegespräch in der Klinik gesagt, dass ich mich bezüglich des Stillens total unsicher fühlte und Hilfe benötigen würde. Leider ist unser Stillstart auch ordentlich schief gegangen: Ich stillte erst nach über zwei Stunden das erste Mal, meine Tochter hat nicht gelernt wie man selber nach der Brustwarze sucht, weil mir das Anlegen einmal kurz gezeigt wurde und ich es nicht gleich verstand. Ich traute mich nicht, da nochmal nach zu fragen. Das Krankenhaus nannte sich stillfreundlich, aber besonders viel Unterstützung bekam man leider nicht dabei, sicher auch aus Zeitgründen. Über meine wechselhafte Stillbeziehung zu meiner Tochter werde ich in Zukunft noch schreiben.

Nun ist nicht jede Doula auch Stillberaterin. Wie also hätte mir die Anwesenheit einer Doula geholfen? Zum Einen hätte mir die Doula sicherlich bereits in der Vorbereitung mehr über das Stillen erzählt, und ich wäre nicht so unvorbereitet ins erste Stillen gestartet. Außerdem hätte sie mich wahrscheinlich in meinem Gefühl, dass ich mehr Anleitung brauche, bekräftigt, und ich hätte mich eher getraut, mir diese Anleitung einzufordern. Außerdem glaube ich, dass es auch beim Stillen-Lernen hilft, wenn jemand bei den ersten Malen anwesend ist, der die volle Zuversicht ausstrahlt, dass das so von der Natur gewollt ist und schon klappen wird. Wenn ich mir ansehe, wie viele Frauen relativ bald nach der Geburt schon wieder abstillen, denke ich, dass nicht nur mir dieser Zuspruch gefehlt hat.

Hattest Du eine Doula? Hättest Du gerne eine gehabt? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

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Was macht eine Doula eigentlich?

Es ist die Frage, der ich aktuell regelmäßig ins Gesicht schaue: Du wirst Doula? Was macht denn eine Doula?!

Nicht jeder traut sich so offensichtlich zu fragen, die Frage steht aber trotzdem offensichtlich im Raum. Hierzulande ist das mit der Doula doch noch ein eher unübliches Konzept. Und auch mir war vor meinem ersten Ausbildungswochenende offensichtlich die ganze Bandbreite der Aufgaben einer Doula nicht bewusst. Sie hält eben Händchen im Kreißsaal – und weiter?

Zeit, wie ich finde, das mal genauer zu beleuchten. Denn egal, ob Du gerade schwanger bist und überlegst, ob eine Doula Dir gut tun würde, ob Du überlegst, selber Doula zu werden oder Dir das Wort gerade das erste Mal begegnet und Du Dich fragst, was das mit der Doula eigentlich soll, gute Infos dazu findet man leider im deutschsprachigen Raum, wie ich finde, viel zu wenig.

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Doch nun zum Thema:

Also was macht denn jetzt die Doula?

Knapp wird das immer in etwa so formuliert: Die Doula begleitet Schwangere und Paare während und vor der Geburt und im Wochenbett. Sie ist emotionale Stütze und hilft der Frau dabei, möglichst selbstbestimmt zu gebären.

Das klingt zwar alles sehr schön, aber ich glaube viele, seien es Schwangere, Hebammen oder andere, die mit Schwangerschaft und Geburt zu tun haben, können sich darunter nur wenig vorstellen. Die Doula muss ja einer mitgebrachten Freundin gegenüber auch irgendeinen Vorteil bieten, schließlich lässt sie sich fürs Händchenhalten bezahlen. Und das tut sie auch! Ganz konkret kann sie (vorausgesetzt, sie hat eine Ausbildung genossen und arbeitet nach deren Standards) folgende Dinge für eine Schwangere leisten:

Die persönliche Geburtsvorbereitung

Die Begleitung von Geburten wird immer als Herzstück der Arbeit einer Doula hervorgehoben. Und natürlich ist es auch so, dass das meist der Hauptgrund ist, warum Schwangere uns buchen: Sie möchten noch jemanden mitnehmen, der bereits selbst ein Kind bekommen hat und von dem sie sich daher erfahrene Unterstützung erhoffen, oder sie haben vielleicht gar keinen Geburtspartner und buchen deshalb eine Doula. Ich finde aber, der eigentlich wichtigere Teil unserer Arbeit, nämlich der Schwangeren helfen, dass sie auch selbstbestimmt gebären kann, beginnt schon viel früher.

Vor einer Geburt treffen sich Doula und Schwangere oder Paar einige Male. Wie oft konkret hängt sicher auch vom Einzelfall und der Schwangerschaftswoche des Erstkontakts ab, meistens werden es zwei oder drei Male sein. Diese Treffen dienen der ganz persönlichen, den Geburtsvorbereitungskurs ergänzenden, Geburtsvorbereitung der Klientin: Gemeinsam gehen sie und die Doula zum Beispiel Begrifflichkeiten durch, die während der Geburt ein Thema werden könnten (also zum Beispiel das CTG, der Kaiserschnitt, die PDA, aber auch Geburtsmantras oder helfende Affirmationen). Dabei versucht die Doula, immer den informierend-neutralen Charakter zu wahren. Wir stellen der Frau gerne alle Informationen zur Verfügung, die sie braucht, um sich von den Dingen ein Bild zu machen und sich vor allem eine eigene Meinung zu bilden. Unsere Meinung halten wir zurück, denn es geht darum, dass die Frau herausfindet, was sie möchte und was nicht.

In weiteren Gesprächen sprechen wir über die Ängste von Frau und Geburtspartner bezogen auf die Geburt oder das Elternsein. Schließlich zeigen wir der Frau Möglichkeiten, ein besseres Gespür und Vertrauen für den eigenen Körper zu erlangen oder eine engere Verbindung zum Baby zu spüren. Eventuell helfen wir auch einfach nur dabei, dass sich die Frau trotz fortschreitender Schwangerschaft bei einer Massage einmal richtig entspannt. Wenn der Entbindungstermin näher rückt, stimmen wir uns gemeinsam mit der Frau auf ihre Geburtsreise ein, sodass sie ihr Schritt für Schritt achtsam und bewusst entgegen tritt. Viele Doulas organisieren auf Wunsch der Frau auch Blessingway-Rituale, die dabei helfen sollen, den Übergang in die neue, bevorstehende Mutterschaft besser zu bewältigen.

Manche Doulas haben Zusatzqualifikationen, die sie in dieser Phase gut einbringen können (zum Beispiel im Bereich Hypnobirthing oder systemische Familienberatung), oder sie arbeiten bereits im medizinischen Bereich, sind zum Beispiel Krankenschwester oder Heilpraktikerin. All das variiert aber von Doula zu Doula und ist auch nicht grundlegend relevant. Doulas ohne jede Zusatzqualifikation bringen oft durch ihre Lebenserfahrung trotzdem genau das mit, was die jeweilige Frau braucht. Es ist daher sehr wichtig, sich genau die Doula auszusuchen, die zu einem selber passt.

Das Bereitstellen von Kontakten und Anlaufstellen

Wir Doulas sind üblicherweise Netzwerkerinnen. Wer zum Beispiel bei Doulas in Deutschland e.V. zertifiziert werden möchte, muss das sogar sein: eine der Voraussetzungen für die Zertifizierung ist das Erstellen einer vollständigen Liste mit regionalen und überregionalen Anlaufstellen für Klienten.

Für eine Schwangere kann das sehr wertvoll sein. Oft treten während der Schwangerschaft, Geburt oder im Wochenbett Probleme auf, die über die Kompetenzen einer Doula hinausgehen. Trotzdem weiß Deine Doula, wen sie anrufen muss oder wessen Nummer sie Dir geben kann, damit Du kompetente Hilfe bekommst! So kannst Du Dich auch im Nachhinein vertrauensvoll an Deine Doula wenden, wenn Du zum Beispiel mit Stillproblemen kämpfst oder nicht weiß, wie Du Dein Baby noch zum Einschlafen bringen könntest. Wir Doulas helfen dann gerne weiter.

Die 24-Stunden-Rufbereitschaft rund um den errechneten Termin

Etwa 10 bis 14 Tage vor dem errechneten Termin Deiner Entbindung sowie 10 bis 14 Tage danach steht Dir Deine Doula exklusiv in Rufbereitschaft zur Verfügung. Das heißt zum Einen, dass eine Doula immer nur eine Frau auf einmal betreut. Es kann Dir also nicht passieren, dass Du Deine Doula zur Geburt rufst und sie schon bei einer anderen Geburt zugegen ist. Deine Doula wird auch in der Rufbereitschaft keine anderen längeren Termine mehr annehmen oder gar einen weiter entfernten Ausflug machen. Die Betreuung für ihre eigenen Kinder ist bereits im Vorfeld geregelt und jederzeit abrufbar. Sie hält sich jetzt immer bereit, jederzeit zu Dir fahren zu können. Du kannst sie in Rufbereitschaft jeder Zeit rufen, denn Deine Doula hat nun ihr Handy Tag und Nacht angeschaltet bei sich und ihre Tasche gepackt. So kann sie bei Einsetzen Deiner Wehen schnell bei Dir sein!

Normalerweise wird sich Deine Doula in dieser Zeit nun ab und an auch von sich aus melden und fragen, wie es Dir geht und ob sie Dir etwas Gutes tun kann. Vielleicht bietet sie Dir noch einmal eine Massage oder ein Gespräch an, wenn sie das Gefühl hat, dass Du vielleicht nervös oder angespannt wegen der bevorstehenden Geburt bist.

Die Begleitung der Geburt

Nun ist der Tag gekommen: Du bekommst Dein Kind! Und was macht die Doula?

Ich werde im Folgenden einen beispielhaften Ablauf erklären, was eine Doula während den verschiedenen Phasen der Geburt so machen kann. Bitte beachte, dass nichts davon ein Muss ist, und dass wir Doulas individuell auf Deine Wünsche eingehen und deswegen einfach alles machen, was Dir in dem Moment gut tut!

Nachdem Du Deine Doula angerufen und abgeklärt hast, wann sie zu Dir kommen soll, wirst Du noch eine Weile alleine oder mit Deinem Partner Deine ersten Wehen durchstehen. Für Deine Doula geht jetzt ihre größte Aufgabe los. Wahrscheinlich wird sie noch einmal schnell duschen und sich umziehen, damit sie gut vorbereitet ist, egal wie lange Deine Geburtsreise dauert. Sie packt sich, und vielleicht auch Euch, etwas zu Essen ein, versorgt ihre Kinder oder wartet auf den Babysitter, schnappt sich ihre Tasche und macht sich auf den Weg zu Dir.

Bei Dir angekommen kümmert sie sich ab jetzt liebevoll sowohl um Deine Bedürfnisse als auch um die Deines Partners. Bereits zu Hause und während der noch schwächeren Wehen ist sie ganz für Dich da. In dieser Phase wird sie Dir wahrscheinlich aktiv helfen, Dich etwas abzulenken und zu entspannen, denn jetzt steigt Deine Aufregung! Vielleicht kann sie Dir helfen, mit einer Massage, durch eine Fantasiereise oder vielleicht sogar durch einen kleinen Schlaf noch einmal Energie für Deine bevorstehende Geburtsreise zu sammeln. Vielleicht möchtest Du ein Bad nehmen und sie hilft, die richtige Atmosphäre zu schaffen und trotz Bauch und Wehen sicher ins Wasser und wieder hinaus zu kommen. Sie kann Eure Sachen fertig packen, sodass Dein Partner sich ganz auf Dich konzentrieren kann, oder andersherum bei Dir blieben, während Dein Partner die letzten Sachen einpackt (denn irgendwie, trotz sorgsam gepackter Kliniktasche, gibt es die immer…). Auch wenn Du eine Hausgeburt planst, ist die Doula bereits für Dich da, wenn die Hebamme noch abwartet, dass Deine Wehen stärker werden.

Aufgrund eines anderen Blogartikels ganz wichtig ist mir an diesem Punkt zu erwähnen, was eine Doula NICHT macht: Eine Doula überprüft nicht Deinen Geburtsfortschritt. Sie kann nicht absehen, ob Komplikationen drohen und trägt auch keine Verantwortung dafür. Sie leitet Dich nicht an, stattdessen weiß sie, dass diese Geburt Deine ist und Du wissen musst, wann Du Dich zuhause nicht mehr wohl fühlst. Sie wird Dir nicht sagen, wann Du in die Klinik fahren sollst und sie wird Dir bei deser Entscheidung auch schlicht und ergreifend nicht helfen können. Sie ist keine Ersatzhebamme, damit Du länger oder sicherer zuhause bleiben kannst. Eigentlich ist sie wie eine Freundin, die ganz tolle Techniken kennt, um Dir beim Entspannen zu helfen oder durch gutes Atmen besser mit dem Wehenschmerz umzugehen, die aber medizinisch auch nicht mehr weiß wie Du.

Wenn Du entscheidest, dass es Zeit wird ins Krankenhaus zu gehen, dann kommt Deine Doula mit. Manche Frauen möchten auch, dass die Doula erst im Krankenhaus dazukommt, dann macht sie sich jetzt auf den Weg. Auch während der Fahrt (denn Autofahren mit Wehen kann ganz schön unangenehm sein!) und im Krankenhaus macht die Doula eigentlich nichts anderes als schon oben beschrieben: sie ist für Dich da, sie hilft Dir zu entspannen. Sie macht Dir aktiv Vorschläge, was Du alles ausprobieren kannst, damit Du Dich wohler fühlst. Sie sorgt ganz praktisch für eine gute Atmosphäre in den Räumen, in die Du gebracht wirst.

Nach der Aufnahme ins Krankenhaus wird fast immer erst einmal ein CTG geschrieben. Wenn man bereits stärkere Wehen hat, kann das sehr anstrengend sein. Deine Doula wird Dir dann vielleicht eine Massage oder eine weitere Fantasiereise anbieten, um Dich davon abzulenken. Sie kann aber auch Schiffe versenken oder Stadt Land Fluss spielen!

Mit dem Übergang in die Klinik (oder dem Rufen der Hausgeburtshebamme) und dem Fortschreiten Deiner Geburt wird mehr und mehr auch die Hebamme anwesend sein. Sie ist Dein Haupt-Ansprechpartner! Sie kontrolliert den Fortschritt Deiner Geburt und macht Dir Vorschläge, was Du alles zur Wehenförderung oder Schmerzbekämpfung ausprobieren könntest. Die Doula wird dem nicht widersprechen oder Gegenvorschläge machen, sie respektiert die Stellung, die Erfahrung und das Wissen der Hebamme. In dieser Phase wird sie mehr und mehr einfach zur Stütze:

Sie behält im Auge, wie es Dir und Deinem Partner geht und bietet Euch bei Bedarf etwas zu Trinken oder zu Essen oder einen Traubenzucker an.

Sie ermutigt Dich, Dich zu bewegen und regelmäßig Deine Blase zu entleeren, denn sie weiß, das so etwas während einer Geburt schnell untergeht, aber dass es Dir hilft, Dich schneller zu öffnen.

Sie kann mit Dir gemeinsam atmen oder tönen und Dich immer wieder daran erinnern, das auch zu tun.

Sie kann Deine Hand halten, Dir den Rücken oder die Oberschenkel massieren, Dich festhalten wenn Du Dich irgendwo anhängen möchtest oder versuchen, durch einfache manuelle Techniken Deine Schmerzen zu lindern.

Sie kann Dich daran erinnern, dass Du zum Beispiel vorhattest, ein Bad oder den Gymnastikball auszuprobieren, wenn die Wehen stärker werden.

Sie macht auf Wunsch gerne auch diskret ein paar Fotos zur Erinnerung für später.

Sie bleibt bei Dir, wenn Dein Geburtspartner frische Luft, einen Kaffee, ein Nickerchen oder einen Toilettengang braucht. Oder sie holt Deinem Partner den Kaffee oder das belegte Brötchen, damit er bei Dir bleiben kann.

Das sind nur einige Beispiele, was die Doula mit Fortschreiten der Wehen und in der Übergangsphase alles machen kann.

Wenn dann die Presswehen losgehen, werden diese Aufgaben für Dich noch wichtiger. Nun sind zwei weitere Hände, die Dir helfen, trotz Pressdrang, Bauch und Erschöpfung in Deiner gewählten Geburtsposition zu bleiben, eventuell Gold wert. Deine Doula hat selber Kinder bekommen, sie weiß, dass Du nun vielleicht besonders an Dir zweifelst, und sie weiß auch, dass Du das schaffen wirst! Sie kann Dich deshalb auf einer ganz besonderen Ebene bestärken und Zuversicht ausstrahlen.

Auch hier möchte ich wieder erwähnen, was eine Doula NICHT macht: Sie ersetzt nicht die Hebamme weil sie Dich doch schon viel besser kennt. Sie leitet Dich nicht zum Atmen oder Pressen an, denn die Hebamme hat jetzt viel besser im Blick, was Du brauchst. Sie kümmert sich nicht um den Dammschutz. Sie hilft nicht mit, das Kind zu entwickeln. Sie ist auch kein Anwalt, und sie wird nicht eingreifen, wenn die Hebamme sich entschließt, dieses oder jenes zu tun! Wenn Du Dir einen solchen „Anwalt“ während Deiner Geburt wünschst, dann ist Dein Partner der bessere Ansprechpartner dafür.

Etwas schwierig ist die Sache mit den Geburtspositionen. Manchmal heißt es, die Doula helfe der Frau dabei, die ideale Geburtsposition zu finden. In der Stellungnahme des Deutschen Hebammenverbandes zu Doulas von 2010 wird, berechtigterweise, erwähnt, dass die Wahl der Geburtsposition medizinische Komplikationen nach sich ziehen kann. Ich denke, dass die meisten Doulas sich dessen voll bewusst sind. Was gemeint ist, ist eher, dass die Doula Dich daran erinnert, dass Du doch gerne diese oder jene Geburtsposition ausprobieren wolltest und Dich gegebenenfalls fragt, ob Du das jetzt immernoch willst.

Wenn Dein Kind und die Nachgeburt da sind, kann auch Deine Doula sich ein bisschen entspannen! Vielleicht möchtest Du Fotos oder Abdrücke der Plazenta, dies kann Deine Doula gerne für Dich machen. In den folgenden Stunden wird Deine Doula noch in Deiner Nähe bleiben und sehen, ob Du mentale oder praktische Unterstützung bei der Nachbehandlung von Blutungen oder Geburtsverletzungen, dem Stillen oder Bonding brauchst. Vielleicht ist jetzt auch ein guter Zeitpunkt für Deinen Geburtspartner, sich ein bisschen auszuruhen und sich dem Moment hinzugeben. Deine Doula kann Euch dann mit Essen, Trinken und allem Anderen, was in den letzten Stunden zu kurz gekommen ist, versorgen. Wahrscheinlich macht sie das erste gemeinsame Familienfoto von Euch. Wenn ihr als Familie gut gelandet seit und Deine Doula merkt, dass Du sie nicht mehr brauchst, darf sie sich auf den Weg zurück nach Hause machen.

Abschlussbesuche im Wochenbett

Zwei bis drei Tage nach der Geburt wird Deine Doula sich das erste Mal wieder telefonisch bei Dir melden und fragen, wie es Dir als frischgebackene Mama so geht. Wenn Du Probleme hast, die Du gerne mit ihr besprechen möchtest, kannst Du Dich immer auch schon früher melden. Je nachdem, wie Du Dich fühlst, macht Ihr irgendwann einen gemeinsamen Termin für den oder die Abschlussbesuch(e) aus. Meistens werden das eher zwei Besuche sein, einer eher am Anfang des Wochenbetts und einer nach einigen Wochen.

Deine Doula geht mit Dir noch einmal Deine Geburt durch. Wenn Du an irgendeiner Stelle besonderen Gesprächsbedarf hast, steht sie Dir mit einem offenen Ohr zu Verfügung. Sie hilft Dir, Abläufe der Geburt zu verstehen und einzuordnen. Oft hat man als Gebärende auch gar kein Zeitgefühl mehr. Die Doula kann Dir helfen, nachzuvollziehen, wie lange was gedauert hat und wer alles anwesend war. Bei einem späteren, letzten Besuch wird sie sicherlich nachhaken, ob im Alltag mit Kind alles gut funktioniert. Wenn Du noch Probleme hast, wird sie Dir, je nach Erfahrung und Qualifikation, entweder gute Tipps geben oder Dich an eine helfende Hand verweisen. Sie kann Dir zum Beispiel zeigen, wie man ein Tragetuch richtig bindet oder Dir eine gute Stillberaterin in Deiner Gegend empfehlen.

Am Ende überreicht sie Dir Deinen Geburtsbericht. Das ist ein liebevoll und detailliert geschriebener Bericht über Deine Geburt, gerichtet an Dein Kind! Wenn die Doula Fotos von der Geburt gemacht hat, wird sie den Bericht mit diesen Fotos ausschmücken. Der Geburtsbericht ist eine wunderschöne Erinnerung für Dich und Deinen Partner und ein tolles Geschenk für Dein Kind später im Leben.

Die Sache mit der Zuversicht und die Sorge für den werdenden Vater

Natürlich könnte man argumentieren, dass all diese kleinen Dinge, die eine Doula macht, auch von einer Hebamme, dem Partner, einer Oma, Mama, Schwester oder Freundin der Schwangeren gemacht werden können. Dem möchte ich auch gar nicht grundsätzlich widersprechen, und es gibt auch Frauen, die ihre perfekte Doula bereits im Verwandten- oder Bekanntenkreis haben.

In der Praxis ist es leider oft so, dass gerade die Hebammen nicht ausreichend Zeit haben, um solche Aufgaben zu erledigen. Daneben ist für die Hebamme eigentlich nur die Frau und das Baby selber relevant, der Vater oder Geburtspartner findet meist wenig Beachtung. In manchen Kreißsälen muss der Vater sogar eine Erklärung vorab unterschreiben, dass er weiß, dass seine medizinischen Belange im Kreißsaal untergeordnet sind und er die Klinik nicht verklagen wird, wenn ihm im Kreißsaal etwas zustößt und er nicht frühzeitig behandelt wird.

Nun ist eine Doula natürlich auch nicht für die medizinischen Belange des werdenden Papas ausgebildet. Allgemein sollte aber den wenigsten Vätern im Kreißsaal wirklich mehr passieren als kleinere Schwächeanfälle oder Übelkeit. Die Doula achtet darauf, dass auch der Vater sich ausreichend entspannt, trinkt und isst und sie steht auch ihm jederzeit emotional zur Seite. Für sie ist der werdende Papa genauso wichtig wie die werdende Mama und sie weiß, dass auch er gerade eine emotionale und physische Achterbahn durchfährt. Dabei unterstützt sie ihn bestmöglich. Alleine das macht, aus meiner Sicht, die Anwesenheit der Doula während der Geburt sehr wichtig.

Eine Sache können wir Doulas aber besser als die meisten anderen privaten oder professionellen Geburtsbegleiter: Zuversicht in die weibliche Gebärfähigkeit ausstrahlen und vermitteln. Das klingt erst einmal nicht so wichtig, es kann aber enorme Auswirkungen haben. Der berühmte Geburtsmediziner Michel Odent spricht dem eine derartig wichtige Wirkung zu, dass er eine Reformation der Geburtshilfe dahin gehend fordert, dass nur noch Frauen zum Beruf der Hebamme oder des Geburtsmediziners zugelassen werden, die eine ungestörte Geburt erlebt haben. Er ist sich sicher, man könne so die Rate an Kaiserschnitten, verabreichten Schmerzmitteln und anderen Geburtsinterventionen senken. Alle Doulas haben sich in ihrer Ausbildung intensiv mit der natürlichen Geburt beschäftigt und verinnerlicht, dass die allermeisten Frauen grundsätzlich aus eigener Kraft und bei voller Gesundheit gesunde Kinder zur Welt bringen können. Alle Doulas sind auch Mama. Wenn auch nicht jede, haben doch viele von uns eine als positiv empfundene Geburt erlebt.

Wir wissen, dass unsere Klientin das schaffen kann. Und dieses Wissen strahlen wir jederzeit aus. Das lindert Ängste vor, während und nach der Geburt und Ängste sind oft genau das, was eine positive Geburtserfahrung verhindert. Denn Ängste lassen uns verkrampfen. Verkrampfte Frauen aber bekommen nicht leicht ihre Kinder.

Leider ist dieses Wissen um die Kraft der Frauen vielen Hebammen und Geburtsmedizinern heute abhanden gekommen, denn 93 von 100 Geburten, die sie betreuen, „benötigen“ irgendeine Form der medizinischen Hilfe. Eine Ausnahme sind meist nur noch die immer weniger werdenden Hebammen im Geburtshaus und Hausgeburtshebammen. Darauf, warum eine Doula auch bei solchen Geburten eine gute Ergänzung ist, werde ich in einem gesonderten Blogartikel eingehen.

Der werdende Vater, die Oma, Mutter, Schwester oder Freundin mag ja an die Kraft der Gebärenden glauben. Wer eine Doula aus dem Bekanntenkreis möchte, sollte sich möglichst eine Frau mit positiver Geburtserfahrung suchen. Bedenke aber, dass diese Menschen Dir sehr nahe stehen. Wenn es hektisch werden sollte oder irgendetwas unklar ist, bricht auch bei Diesen Menschen oft Hektik oder Angst aus. Die Doula kennt Dich zwar bis zur Geburt gut und versteht sich als persönliche Begleiterin, trotzdem wahrt sie einen gewissen professionellen Abstand zu Dir. Das hilft ihr, in einer unübersichtlichen Situation eher einen kühlen Kopf zu bewahren und statt Angst weiterhin Zuversicht auszustrahlen. Und diese Zuversicht wirkt dann beruhigend auf alle anderen Anwesenden.

Was denkst Du über Doulas? Hattest Du eine Doula bei Deiner Geburt? Hinterlasse mir gerne Deine Gedanken in den Kommentaren!

Wenn Du auf der Suche nach einer Doula bist, dann kontaktiere mich gerne. Wenn ich nicht in Deiner Nähe wohne, kann ich Dir vielleicht eine liebe Kollegin vermitteln!