9 Gründe, warum ich selbst bei meiner ersten Geburt gerne eine Doula gehabt hätte

Im Nachhinein ist man ja immer schlauer.

Ich hatte bereits in der Schwangerschaft mit meiner Tochter von Doulas und deren Arbeit gehört. Aber unsere finanzielle Situation damals war angespannt und es musste ohnehin soviel für den kleinen neuen Mitbewohner angeschafft werden. Irgendwie war mir gleich klar, dass so eine Doula eine tolle Sache für mich wäre, aber es schien mir bei all dem, was es gerade zu stemmen gab, auch wieder nicht so wichtig zu sein.

Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, ich hätte dieses Geld in eine Doula investiert. Ich hatte zwar insgesamt eine tolle, stärkende Geburt und insgesamt tolle Hebammen in einem sehr gut geführten und auf die natürliche Geburt fokussierten Kreißsaal. Trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen doch eine Doula gewünscht.

Im Folgenden erkläre ich meine 9 Gründe, warum ich gerne eine Doula gehabt hätte (und mich bei der zweiten Geburt in jedem Fall eine liebe Kollegin begleiten wird). Natürlich ist das sehr persönlich, und für niemand anderen so anwendbar. Aber ich finde, dass es praktischer als jede Erklärung zeigt, warum eine Doula eben Sinn machen kann. Auch wenn es eine gute Hebammenbetreuung gibt. Und auch wenn die Geburt insgesamt recht komplikationslos verläuft.

#1: Die Toilettengänge

Es mag ja gar nicht wichtig klingen. Aber ich musste während meiner Wehen sehr oft auf Toilette. Mein Partner und ich wahren da normalerweise eine gewisse Distanz. Da ich aber irgendwann wenn eine Wehe kam sofort etwas zum Festhalten brauchte, das Badezimmer des Kreißsaals wahnsinnig groß war und er meine einzige Begleitperson, musste er irgendwann mit zur Toilette kommen. Es heißt immer, sowas würde in den Wehen keine Rolle mehr spielen. Ich fand, dass es mich irgendwie hemmt. Ich kam mir ein bisschen entwürdigt vor, dass ausgerechnet mein Partner mit aufs Klo kommen und mir auch noch von der Schüssel herunter helfen musste.

Eine Doula hätte ich glaube ich eher mitgenommen und mich dabei okay gefühlt. Ich hätte auch eine der Hebammen mitgenommen, aber die hatten dafür leider keine Zeit.

#2: Der Beginn der Wehen

Ich war eine von diesen Erstgebärenden, die wahnsinnige Angst hatten, sie könnten nicht merken, dass es jetzt „losgeht“ und dann plötzlich im Auto ihr Kind kriegen. Ich hatte außerdem schon ab ET (meine Tochter kam aber erst 10 Tage später) immer wieder über Stunden regelmäßige stärkere Wehen, die aber noch nicht muttermundswirksam waren. Ich bin zweimal mit Fehlalarm in die Klinik gefahren. Beim zweiten Mal habe ich von einer leider weniger netten Hebamme zu hören bekommen, ich solle erst wiederkommen, wenn ich mich fühlte wie ein Notfall, der ohne Schmerzmittel nicht mehr klarkäme.

Mich hat diese Ansage wahnsinnig demotiviert und nur weiter verunsichert. Ich hatte mich vorher soviel mit der natürlichen, sanften Geburt beschäftigt und sah gar nicht ein, dass ich mich überhaupt irgendwann während meiner Geburt nach „Notfall“ fühlen sollte. Ich wollte meine Geburt unbedingt ohne Schmerzmittel erleben. Ich glaube, dass dieser Hebammen-Ansage und der Hektik der letzten Schwangerschaftswoche letztlich geschuldet war, dass meine Tochter sich ohne Einleitung gar nicht auf den Weg machen wollte.

Zuhause war ich umgeben von meinem Partner und meinem Bruder. Beides mir sehr wohlgesonnene, sehr nahestehende Menschen, die deswegen meine Ängste leider offensichtlich teilten. Beides noch kinderlose Männer, die zu Geburt zu dem Zeitpunkt nur wenig Zugang besaßen. Meine Mama hatte zwei lange, traumatische, hochgradig intervenierte Krankenhausgeburten erlebt, war in dieser Hinsicht also auch nicht gerade bestärkend. Von meinen Freundinnen war ich die erste, die ein Kind bekam. Kurz: Ich hätte eine Frau mit vollem Vertrauen in meine Kraft zu gebären, eine Frau die eine erfahrene Ruhe ausstrahlt und mich bestärkt, dass ich das Ganze gut schaffen kann, in diesen Stunden der ersten Wehen sehr gut brauchen können. Denn ich denke, dass ich schon früher bereit für die Geburt war. Aber die hektische Umgebung hat die Wehen immer wieder abgeschwächt und letztlich ganz verschwinden lassen. Ich hätte eine Doula in diesen Stunden dringend gebraucht!

#3: Mein Flüssigkeitshaushalt

Mein Partner war während meiner Geburt wirklich ein Fels in der Brandung für mich. Er hat bestmöglich versucht, an alles zu denken, was mir irgendwie helfen könnte. Aber: Er wurde in dieser Nacht selber Papa und war dementsprechend selber im Ausnahmezustand.

Ich glaube wir beide haben darüber vergessen, dass ich weiter ausreichend trinken musste. Die Hebamme ermahnte mich ab und an dazu, doch nach einem Schluck war es dann wieder vorbei damit. Mir war schon früh im Geburtsverlauf gar nicht mehr nach irgendeiner Form der Nahrungsaufnahme und so geriet auch das Trinken für mich völlig in Vergessenheit. Kurz vor der Übergangsphase, gerade dann als ich meine Kraft dringend brauchte, habe ich dann ziemlich schlapp gemacht. Da viel auf einmal trinken gar nicht mehr ging, bekam ich eine Infusion. Das hat zwar gut und schnell geholfen, hätte aber bestimmt vermieden werden können. Ich denke, einer aufmerksamen Doula wäre bestimmt aufgefallen, dass ich einfach nicht genug trank und sie hätte mich regelmäßiger daran erinnert.

#4: Ein bekanntes Gesicht

Es ist ja ein vielzitiertes Argument für Doulas, aber ich hätte mir das wirklich gewünscht: Eine Geburtsbegleiterin, die die ganze Zeit bei mir bleibt. Nun war meine Geburt eher kurz und ich habe nur zwei Schichtwechsel zwischen Einleitung und Nachgeburt erlebt. Während der Wehen hatte ich kontinuierlich die gleiche Hebamme, erst kurz vor der Austreibungsphase wechselte sie mit einer Kollegin. Alle Hebammen, die am Tag meiner Geburt da waren, waren supernett und sehr mütterlich. Aber trotzdem hätte ich mich geborgener gefühlt, wenn eine dieser Frauen um mich herum von Anfang bis Ende die Gleiche gewesen wäre.

#5: Die Sache mit der Erinnerung

Ich wollte unbedingt die Gebärwanne versuchen. Ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass mein nächstes Kind zwingend im Wasser zur Welt kommen wird.

Meine alternative Vorstellung, denn das erwählte Krankenhaus hatte nur einen Kreißsaal mit Wanne und dessen Belegung war nicht sicher, war die, auf dem Boden zu gebären. Ich habe einen besonderen Bezug zum Boden. Wenn nicht Wasser, dann Boden, egal was die Hebamme sagt. Mit diesem Wunsch ging ich in meine Geburt.

Der Gebärwannen-Kreißsaal war leider wirklich schon besetzt. Ich bewegte mich also durch meinen Kreißsaal, wippelte auf dem Gymnastikball hin und her, lief auf und ab, tat eigentlich alles Mögliche, vermied dabei aber das Bett. Ich wollte nicht aufs Bett. Irgendwie erschien mir das kontraproduktiv. Daneben sieht so ein modernes Gebärbett ja irgendwie auch sehr technisch aus. Das kabellose CTG um den Bauch war mir schon Technik genug. Das Bett blieb außen vor.

Dann kamen die Presswehen. Und ganz automatisch landete ich mit Führung meiner Hebamme irgendwie in diesem Bett. Zwar versuchte die Hebamme, sich mit mir auf eine nicht-liegende Geburtsposition zu einigen und stellte das Hochtechnologie-Bett auch so ein, wie es für mich am besten war. Aber ab dem Zeitpunkt, wo ich das Bett betrat, fühlte ich mich irgendwie unsicher. Ich hatte Angst herunterzufallen und die Polsterung, wenn auch nicht sehr weich, brachte mein Gleichgewicht durcheinander. Ich hätte mich auf dem Boden hundertmal sicherer gefühlt. Aber ich war jetzt so bei mir und dem Moment, dass so ein kohärentes Denken gar nicht mehr möglich war. Eine Doula hätte durch die intensiven Vorgespräche gewusst, wie wichtig mir der Bezug zu Wasser oder Boden war und sie hätte mich sicherlich gefragt, ob ich das jetzt nicht doch ausprobieren möchte.

#6: Die schwierigen Momente

Natürlich muss nicht jede Geburt sie haben. Leider haben viele Krankenhausgeburten sie: Momente, die als werdende Mama nur schwer zu ertragen sind. Besonders schwierig ist es, wenn man in solchen Momenten auch den Partner aus unterschiedlichen Gründen nicht an seiner Seite hat.

Mir ging es leider so. Meine Tochter kam mit nicht-idealen Apgar-Werten auf die Welt und hatte durch schon länger anhaltende schlechte Herztöne zu wenig Muskeltonus, als sie endlich draußen war. Nach der letzten Presswehe wurde die vorher sehr ruhige Hebamme plötzlich etwas nervös. Sie nabelte die Kleine sofort ab; als ich sie darauf hinwies, dass ich die Nabelschnur auspulsieren lassen wollte, sagte sie, dass dies leider nicht möglich sei, weil die Kleine etwas schlapp sei. Heute weiß ich, dass es in solchen Fällen sinnvoll ist, das Kind auf dem Bauch der Mutter zu behandeln, da sich der Herzschlag dort am schnellsten erholt. Damals wusste ich das nicht. Ich sah stumm mit an, wie Hebamme und Arzt mein Kind, noch bevor ich es selber das erste Mal berührt oder wirklich gesehen hatte, auf einen Tisch in einer Ecke des Kreißsaals brachten, in Tücher wickelten, absaugten und rubbelten. Meinen Partner nahmen sie mit, damit er ihr während der Prozedur Händchen halten und mit ihr reden konnte. Natürlich war es wichtiger, dass eine vertraute Stimme jetzt bei meiner Tochter war. Aber ich war plötzlich ganz allein und diese wenigen Minuten, die ich auf mein Baby wartete, kamen mir vor wie schreckliche Stunden. Ich glaube es ist der Moment meiner ganzen Geburtsreise, in dem ich am allermeisten eine Doula hätte brauchen können. Jemand, der an meiner Seite bleibt und mir einfach nur sagt, dass alles gut sein wird.

#7: Die irrationalen Ängste

Ich hatte meine Geburt sehr gut geschafft. Ich fühlte mich total stark.

Als meine Tochter dann bei mir war, war ich echt megahappy. Wolke 7. Alles super.

Die Nachgeburt kam schnell und ohne Probleme. Die Blutung wurde schnell weniger. Man sollte denken, mich hätte in dem Moment nichts mehr erschüttern können.

Dann kontrollierte die Hebamme, ob ich Geburtsverletzungen hatte. Ein kleiner Scheidenriss, nichts Schlimmes, ein bis zwei Stiche würden ausreichen.

Irgendwie beschlich mich da ein bisschen die Angst. Die wollten nähen? In meiner Vagina?! Unvorstellbar! Ich hatte gerade ein Kind bekommen, aber vor diesen Paar Nadelstichen hatte ich plötzlich ganz schön Respekt. Klar habe ich das gut überstanden und es war auch nur ein bisschen unangenehm. Im Nachhinein finde ich es irgendwie auch amüsant, dass mir die Nadel so Sorgen bereitete, obwohl ich gerade ein Kind aus mir heraus gepresst hatte. Aber worum es mir geht, ist dass wir Frauen während der Geburt mit ganz schön vielen Hormonen und Gefühlen zu tun haben. Ich glaube, irrationale Ängste sind da nicht verwunderlich. Gut, wenn man dann jemanden an seiner Seite hat, der weiß was gerade passiert, einem alles nochmal in Ruhe erklärt und vielleicht ein klitzekleines bisschen Händchen hält.

#8: Unerwartete Wünsche

Ich hatte mir vor meiner Geburt über sehr viele Sachen Gedanken gemacht. Wir waren eines dieser Paare, die mit mehreren Taschen vor der Kreißsaaltüre standen, weil wir für jede erdenkliche Situation etwas dabei haben wollten (übrigens nicht so eine gute Idee, und wir haben auch kaum etwas davon überhaupt benutzt, aber darauf werde ich vielleicht in einem zukünftigen Blogpost einmal eingehen…).

Allerdings war der Zeitraum nach der Geburt für mich irgendwie ziemlich in Schleier gehüllt. Baby angucken, kuscheln, schlafen. Über das, was da sonst noch so passiert, hatte ich mir kaum Gedanken gemacht.

Wir hatten so ein Set dabei um uns Plazenta-Globulis machen zu lassen. Ansonsten war die Plazenta für mich ein gesichtsloses Gebilde, um dessen weitere Verwendung ich mir keine Sorgen machte. Als ich nach einer Weile im Kreißsaal mit meiner Tochter auf der Brust das Mutter-Werden fürs Erste verdaut hatte, fiel mir dann aber als Erstes die Plazenta ein! Ich wollte sie gerne sehen. Leider war sie da schon verschwunden und ich habe sie nie zu Gesicht bekommen.

Ich wusste damals gar nicht, was man alles mit einer Plazenta machen kann. Mir war nicht bewusst, was für eine Bedeutung sie hat. Ich hätte zum Beispiel sehr gerne Plazenta-Abdrücke gehabt, aber ich wusste gar nicht, dass es das gibt. Ich war mir nicht bewusst, dass ich dieses mich und meine Tochter verbindende Organ gerne gesehen und mich davon verabschiedet hätte. Eine Doula bespricht in der Geburtsvorbereitung viele Dinge mit einer Schwangeren, die Plazenta und was man damit alles machen kann, gehört dazu. So hätte ich vielleicht vorher schon gewusst, dass meine Plazenta nicht einfach hätte entsorgt werden sollen.

#9: Das Stillen

Ich war sehr unsicher bezüglich des Stillens. Ich hatte bereits beim Aufnahmegespräch in der Klinik gesagt, dass ich mich bezüglich des Stillens total unsicher fühlte und Hilfe benötigen würde. Leider ist unser Stillstart auch ordentlich schief gegangen: Ich stillte erst nach über zwei Stunden das erste Mal, meine Tochter hat nicht gelernt wie man selber nach der Brustwarze sucht, weil mir das Anlegen einmal kurz gezeigt wurde und ich es nicht gleich verstand. Ich traute mich nicht, da nochmal nach zu fragen. Das Krankenhaus nannte sich stillfreundlich, aber besonders viel Unterstützung bekam man leider nicht dabei, sicher auch aus Zeitgründen. Über meine wechselhafte Stillbeziehung zu meiner Tochter werde ich in Zukunft noch schreiben.

Nun ist nicht jede Doula auch Stillberaterin. Wie also hätte mir die Anwesenheit einer Doula geholfen? Zum Einen hätte mir die Doula sicherlich bereits in der Vorbereitung mehr über das Stillen erzählt, und ich wäre nicht so unvorbereitet ins erste Stillen gestartet. Außerdem hätte sie mich wahrscheinlich in meinem Gefühl, dass ich mehr Anleitung brauche, bekräftigt, und ich hätte mich eher getraut, mir diese Anleitung einzufordern. Außerdem glaube ich, dass es auch beim Stillen-Lernen hilft, wenn jemand bei den ersten Malen anwesend ist, der die volle Zuversicht ausstrahlt, dass das so von der Natur gewollt ist und schon klappen wird. Wenn ich mir ansehe, wie viele Frauen relativ bald nach der Geburt schon wieder abstillen, denke ich, dass nicht nur mir dieser Zuspruch gefehlt hat.

Hattest Du eine Doula? Hättest Du gerne eine gehabt? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar!

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